Der Verstärker

Bei der Zusammenstellung einer Instrumentalanlage für eine Band kommt es darauf an, was finanziell möglich und was vom Aufwand her nötig und effektiv ist. Amps gibt es in allen Schattierungen und Preislagen. Der Ausdruck "amp" stammt wieder mal aus dem Englischen und ist die Abkürzung von "amplification", was übersetzt nichts weiter als "Verstärkung" bedeutet.

Es gibt im Grunde bei den Bands zwei Hauptrichtungen mit entsprechenden Abstufungen: Heavymetal-Anhänger wollen auch optisch Power zeigen und bauen sich entsprechende Boxenwände (z. B. mit Marshall-Türmen) auf der Bühne auf. Hightech-Freaks verbannen alle sichtbaren Lautsprecher von der Bühne und steuern alle Instrumente zentral, Kopfhörer (In-ear-monitoring) ersetzen die Monitore. Die erste Lösung ist schon von der Übungsraumsituation her für eine junge Band unsinnig, letztere aus finanziellen Gründen. Also bewegen wir uns irgendwo in dem Raum zwischen beiden Extremen.

Bei vielen Bands (auch Profis) geht der Trend in Richtung Kofferverstärker (Combo), also weg von Türmen aller Art. Das scheint mir auch vernünftig, weil Kofferverstärker sehr transportabel sind und dem Instrumentalisten heute eine Menge zu bieten haben. Aktuelle Modelle (z. B. von Line 6) sind in der Lage, auf digitalem Weg eine ganze Anzahl von Verstärkertypen einschließlich Speaker-Simulation zu modellieren. Das heißt, man hat zwar einen relativ kleinen Kasten hinter sich stehen, der Sound kann aber durchaus wie ein Marshall klingen. Ganz abgesehen davon, dass es Kofferverstärker gegeben hat, die Maßstäbe gesetzt haben und zur Legende geworden sind. Einen günstigen Fender Twin- oder Vox AC 30-Oldie würde ich mir ohne Zögern kaufen.


Kofferverstärker haben in der Regel mehrere Eingänge mit unterschiedlicher Regelung. Üblich ist ein so genannter Normaleingang. Bei ihm kann man nicht viel regeln außer Lautstärke und Klang. Darüber hinaus gibt es oft noch einen zweiten Eingang, der sich dadurch auszeichnet, dass man sein Instrument mit Effekten versehen kann. So kann man die Gitarre verhallen, einen Choruseffekt einschalten oder einen Verzerrer oder Boost. Die modernen Combos enthalten womöglich ein komplettes digitales Effektgerät, das alle Wünsche befriedigt. An einen solchen Verstärker lassen sich zur Not zwei Gitarren mit verschiedenen Klangeinstellungen anschließen. Beim Kauf sollte man also darauf achten, dass der Kofferverstärker zweikanalig ausgelegt ist, wobei jeder Kanal mit einem getrennten Lautstärkeregler und beide zusammen mit "Mastervolume" einstellbar sein sollten. Das macht auch für einen einzelnen Gitarristen Sinn, weil er dann die Möglichkeit hat, zwischen den Kanälen mit unterschiedlichen Sounds und Lautstärken umzuschalten.

Solche Combos gibt es auch als Bassausführung. Das erkennt man an der fast immer vorhandenen Bassreflexöffnung, während das Verstärkergehäuse hinten - im Gegensatz zum Gitarrencombo - geschlossen ist. Es ist aber nicht gesagt, dass diese Verstärkerart nur für den Bass geeignet ist. Vielmehr können Keyboards ebenfalls vorzüglich angeschlossen werden, die ja heute auf Grund ihrer digitalen Klangerzeugung (PCM) doch gewaltige und impulsstarke Klänge liefern. Aktuelle Basscombos - etwa von Gallien/Krueger - liefern zudem noch reichlich Power, weil sie mit zwei Endstufen bestückt sind. Eine treibt den/die Basslautsprecher (in der Regel 2x10"), die andere ein Hochtonhorn. Schließt man zusätzlich eine weiter Box an (1x15"), dann wird es noch lauter. "Kofferverstärker" bedeutet also nicht automatisch "wenig Power".


Wer dennoch meint, auf Türme nicht verzichten zu können, kann ja erst mal klein anfangen: mit einer 4x12"-Box und einem Verstärker-Top. Diese Art Verstärkung ist für reine Gitarrenbands und Rockmusik sicher nicht falsch. Später kann man noch eine zweite Box nachkaufen und auf die erste stapeln. Fertig ist der Tower! Boxen gibt es als Bass- und Gitarrentypen. Auf Lenkrollen, Griffe und Kanten-/Eckenschutz sollte man achten.

Auch das Prinzip der jeweiligen Verstärkerschaltung muss bedacht werden. Amps in Röhrentechnik liefern warme, leicht angezerrte Sounds. Das ist gut für Rockgitarren und Solospiel. Verstärker in Transistortechnik bzw. mit integrierten Schaltkreisen liefern klare, unverzerrte Klänge. Das ist gut für Keyboards und Gesang. Dies ist eine allgemeine Richtschnur. Die Entscheidung für diese oder jene Richtung kann nur dadurch fallen, dass man das entsprechende Instrument am auszuwählenden Verstärker anhört. Bei vielen Musikern gehen hier die Meinungen weit auseinander.

Der Verstärkung von Mikrofonen (für Gesang, Instrumentenabnahme, Overhead bei Drums) sollten wir schließlich auch einige Gedanken widmen. In erster Linie hängt der gezielte Einsatz von Mikrofonen davon ab, wie groß die PA ausfällt. Bei Einsatz eines Saalmischpultes ist der Kauf von Endstufen unerlässlich. Diese sollten stereo ausgelegt sein und eine hohe Leistungsreserve haben, damit sie nicht dauernd voll ausgelastet sind, was dann wiederum zu Verzerrungen führt. Endstufen sind in Transistortechnik üblich. Professionelle Ausführungen haben einen eingebauten Lüfter zur Kühlung der Endtransistoren. Beim Kauf einer Endstufe sollte man darauf achten, welche Schutzschaltungen sie aufweist. Diese orientieren sich am Preis und an der Qualität der Endstufe. Solche Schaltungen schützen sowohl die Endstufe selbst als auch die angeschlossenen Lautsprecher. Im Einzelnen können das sein:
  • Hitzeschutz - schaltet das Gerät bei Erreichen eines Grenzwertes automatisch ab
  • Kurzschlußschutzschaltung - begrenzt die Leistung vor einem Kurzschluss und hält die Endtransistoren im sicheren Arbeitsbereich
  • Gleichstromschutzschaltung - schützt die Stromversorgung jedes Kanals einzeln
  • Schutz vor zu niedriger Eingansimpedanz - schützt vor falschen (zu niedrigen) Lautsprecherwerten
  • Leerlaufschutz - schützt die nicht belastete Endstufe
  • VHF-Limiter - schützt die Endstufe vor nicht hörbaren Frequenzen
  • Clip-Limiter - regelt die gefährlichen Pegelspitzen weg
Schließlich sollte man noch die Leistungsangaben der Endstufe überprüfen. Der inzwischen gebräuchliche und einzig zuverlässige Wert ist die RMS-Angabe (Root Mean Square) Dabei wird die Leistung in Watt angegeben (z. B. 300 Watt RMS). Durch ein aufwändiges Messverfahren wird die Leistung über den gesamten relevanten Frequenzbereich erfasst. Dadurch ist sichergestellt, dass der Energiegehalt des Signals bei beliebigen Frequenzen konstant ist. Begriffe wie Sinus-Leistung, Peak-Leistung oder Musikleistung sind veraltet und ungenau und gehören nicht in das Datenblatt einer Qualitätsendstufe.

Endstufen müssen keine großartigen Regler aufweisen. Man findet oft nicht mehr als den Einschaltknopf, zwei Pegelregler und eine Überlastungsanzeige (clipping). Das reicht auch vollkommen, das Aussteuern geschieht ja am Mischer. Auch im Endstufenbau hat inzwischen die Miniaturisierung Einzug gehalten, was dazu führt das ungeheuer leistungsstarke Endstufen ziemlich schmalbrüstig aussehen, allerdings zu stolzen Preisen.

Wählt man ein kleineres Mischpult, kann man zu Exemplaren greifen, die auf der Bühne aufstellbar sind und gleich auch eine Endstufe enthalten (Powermixer).

Für die Mehrheit junger Bands, die überwiegend an kleinen Veranstaltungsorten spielen, reicht das sicherlich aus und ist - auch im Hinblick auf den Aufwand - zu empfehlen. Man spart große Aufbauaktionen, Bühnenkabel (Multicore), Stagebox, externe Endstufen und aufwändige PA-Boxen. Letztere können dann sehr kompakt und breitbändig sein (siehe Baupläne und Boxenbeschreibungen). Sobald aber der Auftritt ins Freie geht (Open Air), steigt der Aufwand an Verstärker- und Boxenleistung, denn es will ja nun sehr viel Luft erstmal bewegt werden, bevor der Schall beim Publikum ankommt. Nicht umsonst liegen bei großen Open-Air-Festivals die Wattangaben im sechsstelligen Bereich.