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Arten von Verstärkeranlagen
Vergleicht man die technische Ausstattung von Top-Teilen und Combo-Amps, wird man feststellen, dass sie im großen und ganzen identisch ist. Sehr häufig wird ein und derselbe Amp sogar sowohl in der Topteil- als auch der Combo-Ausführungen angeboten. Zu den Mainfeatures: Mittlerweile sind die meisten Amps 2-kanalig ausgelegt. Im Allgemeinen steht hier ein Clean- und ein Lead-Kanal zur Verfügung. Dieses Konzept reicht im Normalfall aus, um soundtechnisch soweit flexibel zu sein, dass man in der Lage ist die unterschiedlichsten Stilistiken abzudecken. Noch eine Spur komfortabler sind 3-kanalig ausgelegte Amps. Zusätzlich zu den beiden Basis-Sounds Clean/Lead liefern Verstärker dieser Bauart einen Crunch-Kanal, den Spezialisten für alle angezerrten Sounds. Wichtig für den optimalen Einsatz von Effektgeräten ist ein zusätzlicher Effektweg (auch Effektloop oder Einschleifweg genannt). Bei Amps, die mit diesem Feature aufwarten, wird das Signal - nachdem es von der Vorstufe mit der nötigen Verzerrung bedacht wurde - abgegriffen (Send), durchläuft das jeweilige Effektgerät und wird dann zur Versorgung mit der nötigen Lautstärke, der Endstufe zugeführt (Return). Diese Herangehensweise sorgt bei Amps mit Mastervolumen dafür, dass der Effektsound nicht mitübersteuert wird und so Modulations- und Raum-Effekte perfekt rüberkommen. Effekteinschleifwege gehören mttlerweile zum Standard-Angebot der meisten Amps. Grundsätzlich kann man zwei Arten von Effektwegen unterscheiden: Die serielle und die parallele Variante. Bei einem seriell angelegten Effektweg wird das Vorstufensignal komplett abgeleitet und durch das jeweils zum Einsatz kommende Effektgerät geführt. Um ungewollte Übersteuerungen innerhalb des Geräts zu vermeiden, bieten viele Amps die Möglichkeit einer Absenkung des Signals innerhalb der Loop um -10dB o.ä. Nachteil dieser Methode: Da das komplette Vorstufen-Signal durch das Effektgerät geführt wird, bestimmt die Qualität der hier verwendeten Wandler, was im Endeffekt an der Return-Buchse ankommt. Ein billiges Effektgerät kann dem Sound des Amps so schon ganz schön zusetzen. Für Amp-Puristen ein Greul. Einen etwas dezenteren Weg gehen parallele Effektwege. Hier wird lediglich ein regelbarer Teil des Signals abgegriffen, um im Effektgerät bearbeitet zu werden. Der "Rest" des Signals durchläuft den Amp pur und unbeeinflusst. Noch kurz ein paar Worte zur Leistung: Schon ein 50- bzw. 60-Watt-Amp reicht aus, um in nahezu allen musikalischen Situationen lautstärketechnisch bestehen zu können. 100 Watt Tops stellen eine zusätzliche Leistungs-Reserve zur Verfügung, so dass wirklich nichts mehr schief gehen kann. Bei einigen Verstärkern läßt sich die Endstufenleistung vorwählen. In den meisten Fällen kann sich der User zwischen der 50 und 100 Watt Variante. Ein für den Sound des Stacks entscheidendes Thema ist die Auswahl einer optimal auf das jeweilige Topteil abgestimmten Box. Wie eben schon erwähnt, bietet der Markt hier diverse Varianten, die sich - im Groben - in der Anzahl der verwendeten Lautsprecher und ihrer jeweiligen Größe unterscheiden. In den meisten Gitarrenboxen kommen 12 Zoll-Speaker zum Einsatz. Es stehen die Versionen 1x12", 2x12" und 4x12" zur Verfügung. Wenn man sich auf keine Experimente einlassen will, dann wählt man die Cabinets, die vom Hersteller für das jeweilige Topteil empfohlen werden. Grundsätzlich kann man sagen, dass das Thema Lautsprecher und Boxenkonzept mindestens genauso komplex ist, wie das bereits abgehandelte Verstärker-Thema. Denn natürlich kommt es nicht nur auf die Anzahl und die Art und Marke der verbauten Lautsprecher an, wie eine Box im Endeffekt klingt. Die jeweilige Gehäuse-konstruktion, Material, Verstrebungen, Speakerpositionen und sogar die Oberflächenstruktur oder Frontbespannung haben ihren Anteil am Gesamtsound der diversen Boxentypen. Die verwendete Box stellt einen entscheidenden Sound-Faktor dar, denn sie ist in der Lage, die Basis-Klangeigenschaften eines Amps maßgeblich mit zu beeinflußen. Amp pur ![]() Der Klassiker: Man nehme einen guten Röhrenamp alter Bauart (ein Kanal genügt für diesen Zweck), reiße ihn auf (da die klassischen Amps selten über einen Master-Volume-Regler verfügen, dürfte es sehr laut werden; selbstverständlich klingen auch die mit Master besser, wenn die Verzerrung nicht nur von der Endstufe kommt), und mache den Rest mit dem Volumeregler der Gitarre (oder - für bequeme Menschen - mit einem Volumepedal). Will man einen crunchy Riffsound oder einen möglichst cleanen Sound, dreht man das Volumen entsprechend zurück: Vor- und Endstufen-röhren werden weniger angesteuert und verzerren auch entsprechend weniger. Das mag altmodisch klingen - aber die meisten Rockklassiker wurden mit so einem Setup eingespielt und heute macht man es zum Teil wieder genau so. Wem der vollaufgedreht Amp einfach zu laut ist (im Studio heute eher kein Problem, live und im Proberaum sind es oft die Bandkollegen, die die weiße Flagge hissen), dem bieten sich zwei Möglichkeiten an: Kleine Amps
Booster oder Verzerrer vorschalten
Distortion vor cleanem Amp
Amp mit Einschleifweg Wer doch lieber den originalen Röhrensound seines Amps verwendet, muss dennoch nicht auf Effekte verzichten. Seit Anfang der 80er Jahre ist es üblich, modernen Verstärkern einen Einschleifweg zu verpassen. Das Signal durchläuft zuerst die Vorstufe, wo es (bei Leadsounds) übersteuert wird, dann über die Sendbuchse in die Effekte und über die Returnbuchse zur Endstufe, die jetzt allerdings nicht zu stark zerren sollte, sonst würden die Effekte wieder verzerrt, was durch das Einschleifen ja vermieden werden sollte. Da moderne Amps in der Regel über 2 oder mehrere Kanäle verfügen, hat man so eine Auswahl zwischen Lead und Rhythmussounds zur Verfügung. Racklösungen ![]() In den 80er Jahren wurde es in, die altmodischen (heute lacht man darüber) Türme auszurangieren und stattdessen komplizierte und teure Racksysteme zusammenzustellen. Amptops wurden als Riesenverzerrrer missbraucht, von denen aus ganze Effektracks und letztlich cleane Röhren- (Steve Lukather - Mesa Boogie) oder Transistoren (früher Eddie Van Halen - H&H) Endstufen angesteuert wurden. Der Sinn dahinter ist sonnenklar. Man nimmt den Distortionsound seines/seiner Lieblingsamps (inkl. Endstufenverzerrung), regelt den Wahnsinnsoutput mittels Lastwiderständen wieder auf Linelevel, geht dann in die Effekte und verstärkt das Ganze dann wieder auf Bühnenlautstärke, um damit beliebig viele 4x12-Boxen anzutreiben. Zweiwegsysteme (Stereoeffekte) machten den Anfang; als man bemerkte, dass vor lauter Effekten oft der Druck und der gute Grundsound auf der Strecke blieben, kamen dann Dreiwegsystem (in der Mitte der pure Ampsound, links und rechts die Effekt in stereo). Eigentlich genial, aber: für Otto Normalverbraucher viel zu aufwändig und zu teuer. Auch viele der Superstars spielen heute wieder eher einfache Systeme. Sicher spielt dabei auch der Zeitgeist eine enorme Rolle. Nach der von Seattle ausgehenden Grunge-Bewegung waren plötzlich urige, ungeschminkte Sounds wieder in und Gitarristen, die ein Jahrzehnt lang Tonnen von Equipment mitgeschleppt hatten, bekannten sich plötzlich wieder zur "An meine Gitarre lasse ich nur Amp und Kabel"-Methode. Das soll nicht einmal ein leiser Vorwurf sein; man darf seinen Geschmack, aber auch seine Meinung im Lauf der Jahre ändern; lustig ist nur, wenn man zufällig ein altes Interview mit einem Rackspezialisten ausgräbt, wo das damals hochaktuelle, komplizierte System in höchsten Tönen gelobt wird, das derselbe heute eher geringschätzig als „teuere Kühlschränke“ bezeichnet. Es ist aber keineswegs so, dass Racks heutzutage für Gitarristen nichts mehr zu bieten haben: Einerseits ist die Dreiwegvariante auch heute noch eine tolle Möglichkeit, komplexe Sounds zu erzielen, ohne dabei auf den Originalsound des Amps zu verzichten; andererseits gibt es heute Geräte, mit denen auch praktische Lösungen relativ erschwinglich zu realisieren sind. Amp-Modelling
Kein Thema hat die eher altmodische Welt der Gitarristen derart durcheinandergewirbelt und polarisiert wie das Amp-Modelling. Mit digitaler Technik wir hier versucht, Sound und typisches Verhalten aller möglichen modernen und Vintage-Amps zu simulieren und die Erfolge sprechen zum Teil für sich. Die wichtigsten Unterschiede zu herkömmlichen Verstärkern und auch die wesentlichsten Vorteile sollen aber hier nicht unerwähnt bleiben: Mit einem Modeling Amp (oder Preamp) hat man alle wesentlichen Sounds (von den verschiedenstens Amps) per Knopfdruck bereits in der gewünschten Einstellung (Lautstärke, Sound) und mit den gebrauchten Effekten zur Verfügung. Man kann sich darauf verlassen, dass man immer „seine“ Sounds hat, unabhängig von Lautstärke und verwendetem Mikrofon, Mischpult etc. Viele Modeler beinhalten Simulationen von Vintage-Amps, die heute als Originale unerschwinglich wären, oder solche von wirklich teuren Nobelmarken. Aufwändige und teure Instandhaltungsprozeduren, wie sie viele Röhrenamps erfordern, fallen weg, außerdem das Gewicht der heißgeliebten Warmluftbereiter. Auch wenn viele Gitarristen nach wie vor auf ihre Röhrenamps schwören, die Entwicklung zu digitalen Gitarrenanlagen ist noch lange nicht abgeschlossen und man darf auf jeden Fall gespannt sein, wie es weiter geht. |