Sound, Lautstärke, PA-Abnahme

Das ist eines der häufigsten Probleme, mit denen Gitarristen auf der Suche nach dem "guten Ton" konfrontiert sind. Viele Verstärker klingen dann am besten, wenn auch die Endstufe so weit ausgefahren wird, dass sie verzerrt. Dieses Phänomen tritt also nicht nur bei Amps ohne Master Volume auf – diese werden einfach umso verzerrter, je lauter man den Volume Regler aufdreht, sondern ebenso bei Amps mit Gain- und Master Volume-Regler, ganz einfach, weil die Vorstufenverzerrung eine andere, weitaus kratzigere und weniger dynamische Verzerrung ist. Kitzelt man bei solchen Amps auch die Endstufe, gewinnt der Sound an Wärme und Dynamik. Die meisten gängigen Verstärker bewegen sich heutzutage in einem Wattbereich zwischen 50 und 100 Watt – und bereits 50 Watt dürften für die meisten Musiker im Proberaum oder in Clubs bereits viel zu laut sein, um wirklich ausgefahren zu werden. Schließlich spielt man ja auch bei kleineren Clubs meistens über die PA, und was soll der Mischer noch regeln, wenn der Sound, der von der Bühne kommt, schon so ungesund laut ist, dass ein Herunterregeln am Mischpult kaum Veränderungen ergeben kann?

Eine mögliche Lösung des Problems ist das Verwenden kleinerer, leistungsschwächerer Verstärker. Ein 20 Watt-Röhren-Verstärker dürfte für viele Anwendungen mehr als ausreichen, mit dem Natursound eines Schlagzeugs (auch wenn der Drummer – wie die meisten dieser Kollegen – wirklich ordentlich zuhaut). Einfache Überlegung: Je weniger Leistung die Endstufe hat, umso weiter kann diese in die Sättigung gefahren werden, bevor es definitiv zu laut wird.

Was aber, wenn man seinen Traumverstärker nun mal hat und auch benutzen möchte, dieser aber nur bei hoher Lautstärke so klingt, wie man es sich vorstellt?

Eine Lösung, die auch von vielen Profis immer wieder benutzt wird, ist das Vorschalten diverser Booster und Verzerrer, die dann so eingestellt werden, dass sie das Signal eher verstärken als verzerren, also: wenig Gain/Verzerrung, dafür aber Lautstärkeanhebung. Dabei wird einfach die Vorstufe des Verstärkers noch stärker angefahren, die Verzerrung wird erhöht, das Master- oder Gesamtvolume kann heruntergeregelt werden. Obwohl der erzielte Sound nicht ganz dem des lauten Amps entspricht, stellt das für viele einen geeigneten Kompromiss dar.

Eine weitere Möglichkeit ist das Verwenden eines Powersoaks. Das ist - vereinfacht ausgedrückt - ein Lastwiderstand, der zwischen Endstufe und Lautsprecher(box) geschaltet wird und den Output herabsetzt, nachdem das Signal in der Endstufe verzerrt wird. Auch hier stellt das Ergebnis in gewisser Weise einen Kompromiss dar, weil der Endsound natürlich auch von der (in diesem Fall heruntergesetzten) Belastung der Speaker abhängig ist.


Traditionell wird (unabhängig von der verwendeten Box) meist ein Speaker mit dem Mikrofon abgenommen. Seit Jahrzehnten wird hier in erster Linie das Shure SM 57 verwendet, obwohl es heute eine Vielzahl von Mikrofonen gibt, die das Signal ungefärbter und "professioneller" übertragen könnten. Es scheint so, dass der Mikrofon-Klassiker die gitarrenspezifischen Frequenzen betont und dass man sich genau an diesen Sound einfach gewöhnt hat. Natürlich gibt es Gitarristen, die vor ihre Amps teure Studio-Mikrofone stellen (z.B. Brian May – zu sehen in seinem Lehrvideo), aber viele andere, die auch nicht aufs Geld schauen müssten, ziehen nach wie vor das recht günstige SM 57 vor. So entstand der legendäre "brown sound" der ersten Van Halen-Platten mit genau diesem Mikrofon. Eine wahre Wissenschaft ist das Platzieren des Mikrofons. Wird es von vorn direkt auf die Membran des Speakers ausgerichtet, entsteht ein sehr höhenlastiger, spitzer Ton. Wird das Mikrofon am Rand des Speakers ausgerichtet, klingt es eher ´muffig´. Für die meisten Anwendungen ist die goldenen Mitte genau richtig: Man richtet das Mikrofon – oft wird hier auch mit verschiedenen Winkeln experimentiert - auf den Rand der Kalotte. Wenige Zentimeter können schon große Unterschiede bewirken, ein mittenarmer Verstärker wird ganz anders klingen als ein warmklingender, eher mittiger Amp, darum sind keine unumstößlichen Erfolgsrezepte angebracht.


Hat man einmal die richtige Positionierung für seine Amp-Mikro-Kombination gefunden, kann es allerdings mühsam und zeitraubend werden, genau diese jedes Mal auch wieder zu finden, und so bietet sich eine zweite Möglichkeit an:

In den letzten Jahren sind qualitativ hochwertige frequenzkorrigierte Direktausgänge schon fast zum Standard bei guten modernen Amps geworden. Warum diese frequenzkorrigiert sein müssen, ergibt sich aus der Tatsache, dass Gitarrenlautsprecher alles andere als ein objektives Frequenzspektrum abliefern. Der Hauptteil spielt sich hier in den Mitten ab, zu viele Bässe, vor allem aber Höhen, machen den Sound kaputt, und der 2000 Euro Mesa Boogie klingt wie ein Rasierapparat.
Natürlich kann man hier einwänden, dass eine gute Mikrofonplatzierung ein etwas natürlicheres Ergebnis liefert, aber mal ehrlich: Geht das im Gesamtsound beim hektischen Live-Betreib nicht sowieso eher unter? Gitarristen, die Amps ohne DI haben, müssen deswegen aber nicht verzweifeln; es gibt diese Ausgänge auch einzeln zu kaufen und sie sind weder teuer noch platzraubend, als ein Beispiel soll hier die mittlerweise legendäre Red Box von Hughes & Kettner erwähnt werden.